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SHMF 2011
Dieser Eintrag stammt von admin Am 16.8.2011 @ 17:20 In Kultur, Musik | Keine Kommentare
Auch in dieser Saison besuchte ich alle Rendsburger Konzerte bisher. Dazu kamen noch zwei Konzerte in Kiel und eine Veranstaltung im Schleswiger Dom.
K 19, 17. Juli in der Christkirche
Haydns “Jahreszeiten” wurden sehr ordentlich und schwungvoll musiziert. Der Bewertung von Herrn Blunck, das seien die besten Jahreszeiten, die wir bisher in Rendsburg gehört hätten, kann ich mich allerdings nicht anschließen. Ich erinnere mich an eine Aufführung des Oratoriums vor wenigen Jahren unter Enoch zu Guttenberg, ebenso in der Christkirche, die doch noch ein wenig besser war.
Als Dirigent hatte Paul McCreesh den Mut zum klaren Fortissimo oder auch mal schwungvollerem Tempo. Das tat dem Werk, welches den Kreis des Lebens beschreibt, sehr gut.
K 61, 4. August im Kieler Schloß
Dieses Konzert hat zwei Seiten. Zum einen musizierte das Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon sehr natürlich, sauber und lebhaft. Auf der anderen Seite steht der Mezzo Magdalena Kozena, deren Gesang mich in dem Abend nicht für sie einnahm. Ihre Aussprache war undeutlich. Allerdings steigerte sie sich bis zum Ende des Abends, als Zugabe gab es ein zauberhaftes “Lascia ch’io pianga” aus Händels Rinaldo.Vielleicht war sie mit dem Text vertrauter?
K 66, 6. August im Schleswiger Dom
Bei der Vorbereitung der Anreise mußte ich feststellen, daß die Busanbindung zwischen Bahnhof und Dom in Schleswig sehr schlecht ist. Der Fahrplan des ÖPNV scheint noch mieser als in Rendsburg zu sein. Die Mitnahme des Fahrrades kostet im Zug 3,50 € (Tageskarte). Ich entschloß mich, bis OPwschlag mit dem Rad und von dort aus mit der Bahn zu fahren. Auch auf dem Rückweg stieg ich schon in Owschlag aus. Mir fiel erstmals auf, wie schlecht die Radverkehrsführung in Schleswig ist. Zum Teil sollte ich von einem Radstreifen im spitzen Winkel auf einen Hochbordradweg wechseln. Das Sturzrisiko macht diesen Wechsel im Sinne der Rechtsprtechung “unzumutbar”, daher blieb ich auf der Fahrbahn, zum Unwillen von wenigen, besonders von Automobilisten mit RD-Kennzeichen. Auf dem Rückweg zum Dom schaffte ich auf diese Weise ein Wahnsinnstempo von über 30 km/h, welches den Schnitt auf annähernd 20 km/h anhob.
Klare Aussprache, eine wunderschöne Stimme, das war in Schleswig zu hören. Nuria Rial war als Sopranistin die Solistin des Abends. Sie trat nicht aufgetakelt als Primadonna, sondern völlig natürlich als junge Frau mit Liebe zur Musik auf. Begleitet wurde sie vom Elbipolis Orchester Hamburg. Für mich waren insbesondere die Werke Vivaldis eine Entdeckung. Tolle Musik, der dort Leben eingehaucht wurde. Höhepunkt des Abends war aber ein Werk Telemanns; die Arie der Agrippina “Komm, o Schlaf” aus der Oper Germanicus. Diese Arie wurde als Zugabe wiederholt. Ich gucke mich schon um, welche schönen Aufnahmen mit Nuria Rial auf dem CD-Markt gibt.
K 82, 11. August in der Christkirche
Chanticleer, ein A Capella-Ensemble stand auf dem Spielplan. Eigentlich bin ich ja eher ein Freund großer Orchesterbesetzungen, daher war es eher der Tatsache geschuldet, daß ich grundsätzlich alle Rendsburger Konzerte im Rahmen des SHMF besuche, geschuldet, daß ich mir eine Karte bestellt hatte. Das Lob für die Stimmen der Zwölf in der Lokalpresse war nicht übertrieben. Es stand kein starrer Chor auf der Bühne, sondern die Werke wurden fast inszeniert. Mir persönlich gefiel besonders der erste Teil des Abends mit den Renaissance-Werken und den Drei Männerchören des großen Richard Strauss. Bis auf John Taverners A Village Wedding war für mich nach der Pause kein interessantes Werk mehr dabei. Ich bin nun einmal bekennender Gegner des Crossover.
K 84, 12. August im Kieler Schloß
Italienisches und Französisches aus meinem Lieblingsmusikfeld, der Oper des 19. Jahrhunderts stand auf dem Programm dieses Konzertes. Es begann mit Rossinis Sinfonia zur Oper Il Turco in Italia. Diese interpretierte die NDR Radiophilharmonie unter Lukas Borowiczsehr analytisch, aber mit Mut zum Fortissimo. Schlagwerk und Bläser schlugen sich überragend. Leider war eine der Solistinnen, nämlich der Mezzo Zoryana Kushpler erkältet. Daher mußte eine Nummer entfallen. Dennoch war ihre Stimme die Beste an diesem Abend. Das Italienisch der Pretty Yendewar offensichtlich nicht gut, ihr Französisch war ein wenig sauberer. Ihre Stimme war nicht mein Fall. Bei Kartal Karagedik klang vieles für mich schlecht, stümperhaft. Die Kritik der Journaille, sein “Voilà donc la terrible cité” sei im Orchesterschwall untergegangen, kann ich nicht teilen. Das Orchester war zwischen dem Solisten und meinem Sitzplatz positioniert. Es ist die Klangfülle des französischen Orchesters des 19. Jahrhunderts, welche dem anscheinend eher der Wiener Klassik zugeneigten Kritiker unbekannt scheint. Lieber Kritiker auf shz.de, bei Massenet lebt die Grande Operá eines Meyerbeers weiter! Meyerbeers Prélude zur Großen Oper “L’Africaine” war auch eindeutig der Höhepunkt des Abends. Das Solo der Oboe wurde wunderbar feinfühlig interpretiert. Dem Kritiker des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages muß ich zustimmen, daß der Danse Bacchanale etwas zu feurig begann, so daß kaum eine Steigerung möglich war. Die Arie der Dalilah wurde fein säuberlich und mit dem notwendigen exotischen Unterton interpretiert, von einer überragenden Zoryana Kushpler dargebracht. Bizet fand ich schon immer eher langweilig, völlig unfranzösisch. Leo Delibes Lakmé war dann wieder ein ordentliches Kaliber französischer Opernkunst. Die Zugabe bewerte ich lieber nicht, außer daß ich betone, daß sie inhaltlich nicht zum Programm paßte. Es war der elende, überbewertete Mozart.
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