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Archive für 1.8.2010

[SHMF 2010] K 54 “Romantische Bekenntnisse” - Lebendige Interpretation

Am gestrigen Samstag hatte ich dank Schleswig-Holstein-Musikfestival wieder die Gelegenheit, gute Musik auf hohem Niveau interpretiert zu erleben. Ein Desaster war das Treffen mit meinen Begleitern in der Hauptwache vor dem Konzert. Wir bestellten um kurz nach 18:30 dort unsere Speisen, als einziger erhielt ich meine Pizza picante ca. 19:10, die anderen Vier wurden erst ca. 19:35 bedient. Offensichtlich war die Hauptwache nicht auf den Ansturm vieler Gäste eingestellt.  S0 kamen wir recht spät in die Christkirche, knapp vor 20 Uhr. Dort waren unsere Plätze belegt und eine Dame mußte mehrmals aufgefordert werden.

Die mir vertraute Reformationssymphonie des lutheranisch getauften Felix Mendelssohn-Bartholdy wurde sehr zügig in den Tempi dirigiert, was der Lebendigkeit des Werkes gut tat. Es wirkte nicht verfremdet, sondern authentischer. Christopher Hogwood nutzte auch den Raum in der Dynamik aus. Leise Töne blieben piano, ein Fortissimo wirkte wie ein Fortissimo. Auch diese Bandbreite der Dynamik nutzte dem Werk. Die Modulation des Themas des ersten Satzes waren fein herausgearbeitet, der fast strenge barocke Charakter des ersten Satzes dieser romantischen Sinfonie wurde deutlich, das Orchester spielte sauber.

Die Missa Sacra Robert Schumanns war für mich Neuland. Wegen seiner räumlichen Nähe zu Brahms - Ich verachte Brahms! - war Schumann bisher für mich tabu. Das, was ich hörte, war aber nun gar kein Brahms, sondern ein Geistliches Werk, welches mir gefiel. Auch hier wurde die Dynamik voll ausgekostet und sauber musiziert. Nur einmal schien einem Streicher ein Malheur geschehen zu sein. Die Orgel klang sauber und niemals aufdringlich; unsauberen Klang hatte ich für Faurés Requiem monieren müssen. Schön war das Offertorium der von Orgel und Cello begleiteten Solistin. Die Leistungen des Chores, aber auch des Orchesters waren überragend.

Erfreulich war auch, daß die Zahl der Konzertbehuster nicht wahrnehmbar war. Haben diese lästigen Banausen Hausverbot? Auch “Fehler” beim Applaus blieben aus. Auch wenn ich mir weniger deutsche Verkrampftheit wünschte. Schließlich sind diese Regeln eine Unsitte des späten 19. Jahrhunderts. Musik ist schließlich keine lästige Pflichtübung, sondern ein Genuß. Und da sollen Emotionen auch ausbrechen dürfen. Lästige Pflichtübung schien der Konzertbesuch für einige Besucher in den ersten Reihen des Mittelschiffes zu sein. Dort wurde wild im Programmheft geblättert und auf die Uhr geblickt.

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