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[SHMF 2010] K 9 “In elysischen Gefilden”: Ein Verriß
Wie jedes Jahr hatte ich mir Karten für alle Rendsburger Konzerte des Schleswig-Holstein-Musikfestivals bestellt, es werden auch immer mehr Freunde und Bekannte, die sich der Bestellung anschließen. Für das heutige Konzert hatte ich zwei Karten bestellt. Die Begleitung war leider kurzfristig abgesprungen, so daß ich mir ein - so wie ich das vor der MuK in Lübeck und auch andernorts gesehen hatte - einen Zettel aus und stellte mich vor die Christkirche. Die zweite Karte wurde ich zum Glück noch an eine junge Mutter los, die hoffentlich das Konzert noch genossen hat, das Konzert von Poulenc schien ihr nicht behagt zu haben. Nach der Pause scheint sie einen besseren Platz gefunden zu haben. Es gab nämlich viele Lücken.
Als Kulturfaschist hatte ich natürlich Halsbonbons aus Schweizer Produktion dabei, um sie Konzertbehustern an den Kopf zu werfen. Zu meiner positiven Überraschung sah ich in der Pause, daß eben diese Bonbons auch in Schüsseln zum Hineingreifen bereitstanden. Wollten andere Kulturfaschisten sich gut darauf einstellen, daß wie in den letzten Jahren viele Konzertbehuster und Falschapplaudierer mit finalen Rettungswürfen hingestreckt werden müßten?
Das erste Werk des Abends war Pulencs Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken. Es wurde sehr ordentlich musiziert; die Orgel klang gut. Es hat wohl die Orgel der Christkirche geklungen, denn der Organist kam zum Applaus aus jener Richtung.
Zum Glück kenne ich das Werk von CD, und Poulenc komponierte recht konservativ. Moderne Musik ist ansonsten bekanntlich nicht meine Welt. Ich empfinde dieses Konzert sogar als sehr schön.
Vor der Pause folgte noch Vivaldis Gloria D-Dur RV589. Das war für mich neue Musik; schließlich erarbeite ich mir das Barock erst seit ein paar Jahren. Die Chorleistung war überragend, ebenso musizierte das Orchester sehr ordentlich. Die Wahl der Tempi erschien mir schlüssig, ebenso der dynamische Umfang.
Der Höhepunkt des Abends sollte Faurés süßliches Requiem werden. Die Chorleistung war überragend. Auch das Orchester hielt seine gute Klasse. Der Solist zeigte, was er kann, die Solistin schwächelte nur beim gallikanischen Kirchenlatein. Leider wurde auf eine elektronische Orgel gewechselt, die meines Erachtens auch Mißtöne produzierte. Das Tempo war im Vergleich mit den Aufnahmen von Dutoit und Gardiner, der übrigens am 11. August in die Christkirche kommt, recht hoch, als wenn nach Ende des Konzertes ein Skatabend anstünde. In paradisum war kaum noch wiederzuerkennen. Das Orgelspiel war äußerst schnell und entstellte einen der schönsten Abschnitte sehr.